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Ein Team von 200 Priestern kommentiert das Evangelium des Tages

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Liturgischer Tag: Mittwoch der 5. Woche der Fastenzeit

Evangeliumstext (Joh 8,31-42): In jener Zeit sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: «Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien». Sie erwiderten ihm: «Wir sind Nachkommen Abrahams und sind noch nie Sklaven gewesen. Wie kannst du sagen: Ihr werdet frei werden?» Jesus antwortete ihnen: «Amen, amen, das sage ich euch: Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde. Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus; nur der Sohn bleibt für immer im Haus. Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei. Ich weiß, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Aber ihr wollt mich töten, weil mein Wort in euch keine Aufnahme findet. Ich sage, was ich beim Vater gesehen habe, und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt».

Sie antworteten ihm: «Unser Vater ist Abraham». Jesus sagte zu ihnen: «Wenn ihr Kinder Abrahams wärt, würdet ihr so handeln wie Abraham. Jetzt aber wollt ihr mich töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit verkündet hat, die Wahrheit, die ich von Gott gehört habe. So hat Abraham nicht gehandelt. Ihr vollbringt die Werke eures Vaters». Sie entgegneten ihm: «Wir stammen nicht aus einem Ehebruch, sondern wir haben nur den einen Vater: Gott». Jesus sagte zu ihnen: «Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben; denn von Gott bin ich ausgegangen und gekommen. Ich bin nicht in meinem eigenen Namen gekommen, sondern er hat mich gesandt».

«Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben»

Rev. D. Antoni CAROL i Hostench
(Sant Cugat del Vallès, Barcelona, )

Heute richtet der Herr harte Worte an die Juden. Nicht an jeden Juden, sondern – genau gesagt – an jene, die den Glauben angenommen haben: Jesus sprach “zu den Juden, die an ihn glaubten” (Joh 8,31). Zweifellos spiegelt dieser Dialog Jesu den Beginn jener durch die Christen jüdischen Glaubens verursachten Schwierigkeiten in der ersten Stunde der Kirche.

Da sie infolge der Blutsverwandtschaft Nachkommen Abrahams waren, hielten sich diese Jünger Jesu für überlegen: nicht nur den Massen, die fern vom Glauben lebten, sondern auch jedem nichtjüdischen, am Glauben teilnehmenden Jünger gegenüber. Sie sagten: “Wir sind Nachkommen Abrahams” (Joh 8,33); “Unser Vater ist Abraham” (V.39); “wir haben nur den einen Vater: Gott“ (V.41). Obgleich sie Jünger Jesu waren, haben wir den Eindruck, dass Jesus für sie nichts bedeutete, nichts vergrößerte, da sie es ja schon besaßen. Doch gerade hier liegt der große Irrtum von ihnen allen: die wahrhaften Nachkommen sind nicht die Abkömmlinge auf Grund von Blutsverwandtschaft, sondern die Erben der Verheißung, d.h. jene, die glauben (vgl. Röm 9,6-8). Ohne den Glauben an Jesus ist es nicht möglich, dass irgendjemand die Verheißung Abrahams erreicht. Daher gibt es unter den Jüngern “nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau”, denn alle sind Brüder durch die Taufe (vgl. Gal 3,27-28).

Lassen wir uns nicht verführen von religiösem Stolz. Die dem Judentum Angehörenden hielten sich den anderen Christen gegenüber für überlegen. Es ist nicht nötig, hier von getrennten Brüdern zu sprechen. Aber denken wir an uns selbst. Wie oft halten sich manche Katholiken für besser als andere Katholiken, weil sie dieser oder jener Bewegung folgen, weil sie diese oder jene Regel beachten, weil sie diesem oder jenem liturgischen Brauch gehorchen! Die einen, weil sie reich sind; andere, weil sie mehr studiert haben. Solche, weil sie wichtige Ämter bekleiden, andere, weil sie aus vornehmen Familien stammen... «Ich möchte, daß jeder die Freude empfindet, Christ zu sein... Der Herr trägt die Kirche immer, er leitet sie auch in schwierigen Zeiten» (Benedikt XVI).

Rev. D. Antoni CAROL i Hostench
(Sant Cugat del Vallès, Barcelona, )