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Ein Team von 200 Priestern kommentiert das Evangelium des Tages

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Liturgischer Tag: Donnerstag der 11. Woche im Jahreskreis

Evangeliumstext (Mt 6,7-15): In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: «Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.

»So sollt ihr beten: ‚Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen‘. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben».

«Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet»

Rev. D. Emili MARLÉS i Romeu
(Sant Cugat del Vallès, Barcelona, )

Heute will uns der Herr helfen zu wachsen in einem wichtigen Thema unseres christlichen Lebens: dem Gebet. Er weist uns darauf hin, dass wir nicht beten sollen wie die Heiden, die versuchen, Gott von dem zu überzeugen, was sie haben wollen. Oft versuchen wir das Erwünschte zu erreichen, indem wir darauf bestehen und Gott sozusagen lästig werden. Wir glauben, dass Gott uns erhören wird, wenn wir viele Worte machen. Der Herr erinnert uns daran, dass der Vater ständig um unser Leben besorgt ist und dass er in jedem Augenblick weiß, was wir brauchen, noch bevor wir darum bitten (vgl. Mt. 6,8). Leben wir mit dieser Zuversicht? Bin ich mir bewusst, dass der Vater mir ständig die Füße wäscht und dass er besser als keiner weiß, was mir in jedem Moment nottut? (In großen und in kleinen Dingen).

Jesus breitet uns den Horizont aus für ein neues Bittgebet: Das Gebet derer, die sich an Gott wenden in dem Wissen, seine Kinder zu sein. Das Verhältnis, das ich mit einem Menschen habe, bestimmt die Art und Weise, wie ich um etwas bitte, und auch, was ich von ihm erwarten kann. Von einem Vater, und besonders vom himmlischen Vater, kann ich alles erwarten und weiß auch, dass er mein Leben leitet. Deshalb sagt uns Jesus, der immer als echter Sohn lebt, «sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt» (Mt. 6,25). Habe ich wirklich das Bewusstsein, Kind zu sein? Wende ich mich an Gott mit derselben Zutraulichkeit, wie ich das mit meinem Vater oder mit meiner Mutter tue?

Danach öffnet uns Jesus sein Herz und zeigt uns, wie sein Verhältnis/Bittgebet zu dem Vater ist, damit wir es ihm gleichtun. Mit dem Vaterunser-Gebet lehrt uns Jesus, wie Kinder zu leben. Vom hl. Cyprian gibt es einen bekannten Kommentar zum „Vaterunser”, in welchem er sagt:« Darum sollten wir stets daran denken und uns dessen bewusst bleiben: Wenn wir Gott unseren Vater nennen, dann müssen wir uns auch als Söhne Gottes benehmen, damit ebenso, wie wir uns darin gefallen, Gott zum Vater zu haben, auch er an uns sein Gefallen hat».

«Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben»

+ Rev. D. Joan MARQUÉS i Suriñach
(Vilamarí, Girona, )

Heute regt Jesus uns zu einem grossen und schweren Leitbild an: die Vergebung der Verfehlungen. Und er legt eine sehr vernünftige Masseinheit fest: unsere eigene: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben» (Mt 6,14-15). In einem anderen Zusammenhang hatte er die goldene Regel des menschlichen Zusammenlebens erklärt: „Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch” (Mt 7,12).

Wir wollen dass Gott uns vergibt und dass es die anderen auch tun; aber wir sträuben uns dagegen es selbst zu tun. Es ist schwer um Vergebung zu bitten; aber zu verzeihen ist noch schwieriger. Wären wir wirklich demütig, fiele es uns nicht so schwer; aber der Stolz macht es uns mühsam. Daher können wir die folgende Gleichung aufstellen: je demütiger, desto einfacher; je stolzer, desto schwerer. Das gibt dir eine Hilfestellung um den Grad deiner Demut zu erkennen.

Nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs (1939) feierten ehemals gefangene Priester eine Messe zum Erntedankfest in der Kirche von Els Omells. Der Zelebrant brach nach den Worten des Vaterunser “vergib uns unsere Schuld” ab und konnte nicht weiter sprechen. Er sah sich nicht in der Lage denen zu vergeben, die die Priester dort in einem Arbeitslager so schrecklich haben leiden lassen. Nach einiger Zeit, mitten im tiefsten Schweigen, fuhr er fort zu beten: “so wie auch wir vergeben unseren Schuldnern”. Danach fragten sie sich welches die besste Homilie gewesen ist. Alle waren sich einig: der Moment des Schweigens als der Zelebrant das Vaterunser gebetet hat. Es ist schwer, aber es ist möglich mit der Hilfe des Herrn.

Ausserdem ist die Vergebung die Gott uns gibt gänzlich, sie geht bis zum vergessen. Wir übergehen schnell die Gefallen, aber die Kränkung.... Wenn Ehepartner wüssten wie man Dinge vergisst, könnte man viele Familiendramen lösen oder es gäbe sie gar nicht.

Möge die Jungfrau der Barmherzigkeit uns helfen die anderen zu verstehen und ihnen grosszügig zu verzeihen.