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Ein Team von 200 Priestern kommentiert das Evangelium des Tages

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Liturgischer Tag: Samstag der 39. Woche im Jahreskreis

Evangeliumstext (Lk 13,1-9): Zu jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: «Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.

Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: «Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: „Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?“ Der Weingärtner erwiderte: „Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.“»

«Als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine.»

+ Rev. D. Antoni ORIOL i Tataret
(Vic, Barcelona, )

Heute laden uns die Worte Jesu ein, über die Unangemessenheit der Heuchelei nachzudenken: «Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine» (Lk 13,6). Der Heuchler gibt vor, zu sein, was er nicht ist. Diese Lüge gipfelt im Vortäuschen von Tugend (Moralität), während man im Laster lebt, oder Frömmigkeit (Religiosität), während man nicht Gott, sondern sich selbst und seine Interessen in den Mittelpunkt seiner Suche stellt. Moralische Scheinheiligkeit gibt es viel auf der Welt, religiöse Heuchelei schadet der Kirche.

Die Schelte Jesu gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten – noch klarer und deutlicher in anderen Passagen des Evangeliums – sind furchtbar. Wir können das eben gelesene oder gehörte nicht lesen oder hören, ohne dass uns diese Worte im Grunde unseres Herzens berühren, wenn wir sie wirklich gehört und verstanden haben.

Ich sage das Folgende in der Wir-Form, denn wir alle empfinden den Widerspruch zwischen dem, was wir vorgeben zu sein, und dem, was wir wirklich sind. Heuchler, das sind wir als Politiker, wenn wir uns das Land zu Nutze machen, während wir laut verkünden, wir würden ihm zu Dienste stehen; als Mitglieder eines Sicherheitsdienstes, wenn wir im Namen von Recht und Ordnung korrupte Gruppen schützen; als Gesundheitspersonal, wenn wir im Namen der Medizin, beginnendes oder endendendes Leben beseitigen; als Autor in den sozialen Medien, wenn wir Nachrichten verfälschen und das Publikum verderben unter dem Vorwand es zu unterhalten; als Verwalter öffentlicher Mittel, wenn wir einen Teil davon unserer (eigenen oder partei-eigenen) Tasche zuführen, während wir uns der Ehrlichkeit und Transparenz brüsten; als Säkularisten, wenn wir im Namen der Gewissensfreiheit die öffentliche Dimension der Religion unterdrücken; als Geistliche, wenn wir von unseren Instituten leben, aber dem Geist und den Forderungen ihrer Gründer untreu sind; als Priester, wenn wir zwar vom Dienst am Altar leben, unserer Pfarrgemeinde aber nicht selbstlos und im Geist des Evangeliums dienen; etc.

Ah! Du und ich natürlich ebenso, in dem Maβ als unser Gewissen uns sagt, was wir tun sollen und wir es eben nicht tun, um statt dessen den Splitter im Auge des anderen zu suchen, während wir auf keinen Fall den Balken im eigenen sehen wollen, der unsere Sicht verblendet. Oder etwa nicht?

Jesus, Retter der Welt, erlöse uns von unseren kleinen, mittleren und groβen Scheinheiligkeiten!